Agrartourismus zwischen Bürokratie und wirtschaftlicher Notwendigkeit
Wie der Druck rund um das Thema "Agrartourismus" derzeit auch jenseits des Atlantiks wächst, zeigt eine Diskussionsrunde im US-Bundesstaat Pennsylvania, über die das Herald-Standard berichtet.

als gemütlicher Heurigenbesuch am Bio-Hof beginnt, ist für viele Betriebe längst zum zweiten wirtschaftlichen Standbein geworden. Wie der Druck rund um das Thema "Agrartourismus" derzeit auch jenseits des Atlantiks wächst, zeigt eine Diskussionsrunde im US-Bundesstaat Pennsylvania, über die das Herald-Standard berichtet.
Zwischen Hoffnung und Regulierungswust
Bei der Jahrestour der Washington County Farm Bureau, die am Mittwochmorgen auf der R&L Cattle Company in East Finley Township stattfand, schilderten Landwirtinnen und Landwirte eine zunehmende Bürokratie. Höfe, die Heufahrten, Hofführungen oder andere Erlebnisangebote machen, müssten sich demnach mit Lizenzpflichten und Sicherheitsauflagen auseinandersetzen, die ursprünglich für Volksfeste und Jahrmärkte gedacht seien. Die Präsidentin des Kreisbauernverbands sprach laut Bericht von einer "sehr unhandlich" werdenden Situation. Gleichzeitig sei das Zusatzeinkommen durch Gäste für viele Betriebe oft die einzige Möglichkeit, wirtschaftlich zu überleben, wie der Landwirt Jim Lindley aus North Bethlehem Township deutlich machte. Vorstandsmitglied Don Carter bat Lokal-, Landes- und Bundespolitiker, die Regelungen zu vereinfachen und den Höfen einen klaren Weg durch den Paragrafen-Dschungel zu ebnen.
Politische Signale aus Pennsylvania
Vertreterinnen und Vertreter des Landesparlaments sowie Verbindungsleute der Bundespolitik hörten die Anliegen am Rande des Hofrundgangs an. Der republikanische Abgeordnete Tim O'Neal kündigte an, das Thema erneut aufzugreifen, nachdem vor wenigen Jahren Änderungen an den Unterhaltungsgesetzen auch Hofveranstaltungen erfasst hätten. Eric Cowden, Außenmitarbeiter der Senatorin Camera Bartolotta, brachte Warnschilder nach dem Muster "Betreten auf eigene Gefahr" ins Gespräch, wie sie auf Pferdehöfen bereits üblich sind. Abgeordneter Bud Cook bezeichnete die Verbindung von Landwirtschaft und Tourismus als wirtschaftlichen "Home Run" und fragte, wie viele Stadtkinder überhaupt schon einmal ein Rind gestreichelt hätten.
Was heißt das für unsere Höfe?
Auch in Oberösterreich kennen wir die Spannung zwischen ursprünglicher Landarbeit und wachsendem Gästebetrieb. Manche Bio-Höfe setzen bewusst auf Events, Hofführungen oder Hochzeitslocation, andere halten lieber Abstand vom Trubel. Die Familie Logue-Ross etwa bewirtschaftet ihren rund 133 Hektar großen Hof laut Bericht bereits in vierter Generation und betreibt derzeit keinen Agrartourismus - schlicht, weil der Alltag mit 250 Rindern schon genug fülle. Eine spätere Öffnung schließt die Mitinhaberin aber nicht grundsätzlich aus. Für alle heimischen Höfe, die ihren Betrieb für Gäste öffnen wollen, lohnt sich unabhängig davon ein genauer Blick in die gewerbe- und sicherheitsrechtlichen Rahmenbedingungen des jeweiligen Bundeslands - am besten, bevor die ersten Besucherinnen und Besucher kommen.