Bio-Landpartie in MV: Einblicke in die Herausforderungen der ökologischen Landwirtschaft
Nur zwei Prozent der verarbeitenden Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern tragen ein Bio-Zertifikat. Nach Angaben der Organisatoren sind es landesweit 395 — der geringste Anteil im Vergleich der deutschen Flächenländer. Bei der 19. Bio-Landpartie am Samstag (19.

September) öffnen 57 Bio-Höfe zwischen 10 und 17 Uhr ihre Tore und zeigen, was an regionaler Wertschöpfung dennoch funktioniert — und wo sie abreißt. Veranstalter ist der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in MV.
Die zwei Prozent und ihre Folgen
Bio wächst in Mecklenburg-Vorpommern auf dem Acker, die Verarbeitung findet anderswo statt. Die Organisatoren listen die Engpässe präzise: fehlende Bio-Schlachtereien und Zerlegebetriebe, Brotgetreide-Mühlen sowie Verarbeitungsbetriebe für Kartoffeln und Gemüse. Auch bei Lagerkapazitäten für Bio-Getreide, Raps, Kartoffeln und Gemüse bestehe Nachholbedarf. Das betrifft die ökonomische Grundlage jedes Bio-Hofs direkt. Ein Hektar Bioacker trägt sich nur, wenn Verarbeitung, Lager und Handel in Reichweite liegen. Fehlt diese Kette, bleibt der Bio-Umstieg für viele Betriebe ein Wagnis — trotz Förderung und wachsender Nachfrage. Die Bio-Landpartie macht die Lücke sichtbar, ohne sie zu schließen.
57 Höfe an einem Tag
Eröffnet wird die Bio-Landpartie auf dem Hof Dudziak bei Neustrelitz durch Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD). Auf dem Programm stehen Hofführungen, ein Wissensquiz, Verkostung und Verkauf hofeigener Produkte sowie ein Kinderprogramm. Die Teilnehmerliste reicht von Bio-Käsereien, Bäckereien und Mostereien über Mühlen und Fleischereien bis zu Imkereien, Gärtnereien und regionalen Vermarktern. Besucher können zwischen Führungen, Trecker- und Kremserfahrten, Verkostungen und Mitmachangeboten wählen. Auf dem Büffelhof Seekoppel in Roggow bei Rerik stehen Spaziergänge zu den Büffeln am Salzhaff auf dem Plan. Der "Appelhoff-Plau" zeigt eine mehr als 100 Jahre alte Apfelwiese mit Verkostung verschiedener Sorten. Der Ökohof Ranch am Torfmoor auf Rügen widmet sich dem Pommernschaf mit Schauscheren und Schau-Spinnen der Wolle. Der Demeter-Hof Medewege bei Schwerin öffnet Bäckerei, Gärtnerei sowie Schweine- und Kuhstall.
Alte Methode, neue Funktion
Burkhard Roloff vom BUND hebt den Hof in Gessin bei Basedow als Highlight hervor. Dort geht es um die Verbindung von Bio-Anbau und Agroforstwirtschaft — eine Form der Landnutzung, bei der Bäume bewusst mit Ackerkulturen kombiniert werden. Roloff spricht von einer alten Methode, die man jetzt wiederentdeckt habe. Vorgestellt werden zudem Ergebnisse eines zweijährigen bürgerschaftlichen Monitorings zu Flora und Fauna. Was bleibt: Aktionstag und Strukturkritik liegen am 19. September dicht beieinander. Wer Bio aus der Region kaufen will, findet 57 Höfe als Anlaufpunkte — die Wertschöpfungskette dahinter bleibt eine offene Baustelle.