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Auszeit auf Österreichs besten Bio-Höfen.

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Seminarkonzepte im Grünen: Welches Format passt zu wem?

Wer ein Seminar plant, steht meist zuerst vor der Raumfrage: Seminarraum oder Wiese, Hotel-Tagungscenter oder Bauernhof? Klingt nach Location-Detail, entscheidet aber längst über Energie, Beteiligung und nicht zuletzt über die Ergebnisse des Treffens.

Seminarkonzepte im Grünen: Welches Format passt zu wem?

Wenn Sie spüren, dass Ihr Team nach dem dritten Bildschirm-Marathon in Folge eine echte Auszeit braucht, führt kein Weg an der Frage vorbei, welches Outdoor-Format zu Ihrer Gruppe passt. Aus Erfahrung mit Hofbesuchen in ganz Oberösterreich kann ich Ihnen sagen: Es gibt nicht das eine beste Konzept – aber sehr wohl eine ehrliche Antwort darauf, wann welches Format wirklich trägt und wann es nur nach Grün aussieht, ohne grün zu wirken.

Warum Lernen unter freiem Himmel anders wirkt

Seit Jahren beobachte ich bei Hofbesuchen dasselbe Phänomen: Kaum stehen die Gäste auf der Wiese statt im Konferenzraum, verändert sich das Miteinander. Das ist kein Bauchgefühl, sondern mittlerweile gut belegt. Eine wissenschaftliche Überblicksstudie hat 147 Einzelstudien zum Thema Lernen im Freien ausgewertet und kommt zu einem klaren Ergebnis: Draußen lernen fördert nachweislich die Konzentration und das Wohlbefinden der Teilnehmenden. Wer also mitten im Tag auf eine Wiese geht, statt in einen abgedunkelten Raum, arbeitet nicht trotz der Ablenkung besser – sondern wegen ihr.

Die Gründe sind plausibel, wenn man einmal selbst zwei Stunden über den Hof gegangen ist: Sonnenlicht reguliert den Schlaf-Wach-Rhythmus, frische Luft versorgt das Gehirn besser mit Sauerstoff, und der Wechsel des Orts bricht eingefahrene Aufmerksamkeitsmuster auf. Hinzu kommt ein psychologischer Effekt, den viele unterschätzen: Sobald die Gruppe sich draußen bewegt, fallen typische Sitzungs-Hierarchien weg. Wer im Seminarraum vorne sitzt, redet mehr. Wer auf einem Spaziergang neben dem Kollegen geht, redet anders – oft ehrlicher.

Wer das Setting wechselt, wechselt automatisch die Gesprächsdynamik. Die Wiese macht keine Hierarchie mit.

Bevor wir uns die Formate im Detail anschauen, lohnt sich der Hinweis: Diese Wirkungen entfalten sich nur, wenn das Team tatsächlich rausgeht und nicht in einem Seminarraum mit Wiesen-Foto an der Wand sitzt. Klingt banal, ist aber der erste Praxis-Fehler, den ich auf Höfen immer wieder sehe.

Format-Werkstatt: Walk & Talk, Lagerfeuer und mehr

Bei meinen Hofbesuchen habe ich in den letzten Jahren eine ganze Reihe unterschiedlicher Formate erlebt – vom klassischen Workshop im Stall bis zur mehrstündigen Kräuterwanderung mit anschließendem Kochen. Vier Varianten tauchen besonders häufig auf und eignen sich für unterschiedliche Anlässe:

FormatWas passiertStärkePasst besonders für
Walk & TalkTeilnehmende gehen in Paaren oder kleinen Gruppen spazieren und besprechen dabei AufgabenReduziert Sitzzeiten, fördert ehrliche Gespräche, aktiviert auch zurückhaltende StimmenStrategie-Tage, 1:1-Entwicklungsgespräche, Konfliktklärung in kleinem Kreis
Lagerfeuer-Gespräch (Fireside Chat)Offener Dialog am Feuer statt Frontalvortrag, moderiert oder freiAugenhöhe statt Belehrung, hohe Aufmerksamkeit durch AtmosphäreVisionsarbeit, Geschichtenerzählen, Werte-Diskussion, kleine bis mittlere Gruppen
Workshop im HofrundgangStationen am Hof (Stall, Garten, Werkstatt), Inhalte werden beim Gehen vermitteltKörperliche Verankerung des Themas, viele Sinne gleichzeitigNachhaltigkeitsschulungen, Produkt-Workshops, kreative Brainstormings
Kreativworkshop NaturSammeln, Bauen, Kochen mit NaturmaterialienHaptik, gemeinsames Ergebnis, niedrige HemmschwelleTeamtage für neue Gruppen, Onboarding, Familien-Seminare

Walk & Talk im Detail

Die Walk & Talk-Methode kombiniert Bewegung mit strukturiertem Austausch: Teilnehmende gehen in Paaren oder kleinen Gruppen spazieren und besprechen dabei vorher definierte Aufgaben. Sitzzeiten werden dadurch deutlich reduziert, die Konzentration steigt messbar. Aus der Praxis kann ich ergänzen: Funktioniert nur, wenn die Aufgaben klar formuliert sind und die Wege nicht zu kurz ausfallen. Unter zehn Minuten Gehzeit kommt kein echtes Gespräch zustande – ab dreißig Minuten wird es bei den meisten Themen anstrengend. Die goldene Mitte liegt meist bei zwanzig Minuten pro Runde.

Lagerfeuer-Gespräche als Kontrast zum Frontalvortrag

Lagerfeuer-Gespräche – im angelsächsischen Raum Fireside Chats – funktionieren genau dann, wenn klassische Vorträge versagt haben. Sie sind ein offenes Dialogformat auf Augenhöhe, heben sich bewusst von frontalen Präsentationen ab und ermöglichen Reflexion in entspannter Atmosphäre. Auf den Höfen, die ich besucht habe, werden sie am späten Nachmittag oder frühen Abend angesetzt, wenn das Tageslicht weicher wird. Wichtig: Es braucht keine echte Feuerstelle. Eine Sitzgruppe im Hof, warme Decken und Getränke reichen – solange die Stimmung stimmt.

Teambuilding mit Bodenhaftung

Naturverbundene Teambuilding-Aktivitäten sind das, was Bauernhöfe und ländliche Locations von sterilen Tagungshotels unterscheidet. Was ich auf meinen Hofbesuchen gesehen habe, geht weit über Olympiaden hinaus: Floßbau am Teich, GPS-Schnitzeljagden über Wiesen und Felder, Kräuterwanderungen mit anschließendem gemeinsamen Kochen. Diese Formate stärken gezielt den Teamgeist, das Vertrauen und die Kommunikation – und zwar nicht, weil sie im Lehrbuch stehen, sondern weil sie gemeinsames Scheitern und gemeinsames Gelingen erzeugen.

Ein Beispiel: Bei einer Kräuterwanderung mit Kochkurs sammelt die Gruppe zunächst auf eigene Faust Kräuter, anschließend wird gemeinsam gekocht. Der Effekt ist verblüffend einfach – wer zusammen sammelt und zusammen kocht, spricht am Abend anders miteinander als beim Stehtisch-Empfang. Floßbau wiederum funktioniert nur als Team, was sehr schnell sehr deutlich macht, wer im Alltag Verantwortung übernimmt und wer abwartet.

Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten:

  • Gruppengröße: Floßbau und GPS-Touren brauchen mindestens acht Personen, um richtig zu wirken. Kräuterwanderungen funktionieren ab sechs.
  • Körperliche Eignung: Wanderungen mit Steigung vorher anmelden, nicht jeder Hof ist barrierefrei.
  • Jahreszeit: Kräuter gibt es nur saisonal, manche GPS-Aktionen sind im Winter auf Schnee deutlich schöner als auf Matsch.
  • Vorerfahrung: Wer noch nie einen Kochlöffel gehalten hat, braucht bei Koch-Workshops eine andere Ansprache als ein eingespieltes Gastro-Team.

Green Meetings nach UZ 62: Was Österreich tatsächlich verlangt

Sobald Ihr Seminar offiziell als nachhaltiges Event firmiert, kommen Sie an der Richtlinie UZ 62 „Green Meetings und Green Events" des Österreichischen Umweltzeichens nicht vorbei. Der Kriterienkatalog in der Version 4.0 stammt vom 1. Juli 2018 und wird im ersten Halbjahr 2026 offiziell überarbeitet – die genauen inhaltlichen Änderungen sind aktuell noch nicht öffentlich. Für Veranstaltungen mit über 100 Personen sind die Muss-Kriterien der Richtlinie UZ 62 als Mindestanforderungen für die naBe-Konformität definiert. Das heißt konkret: Wer ein großes Seminar nachhaltig ausrichten will, muss diese Mindeststandards erfüllen.

Nachhaltigkeit ist auf ländlichen Höfen kein Zusatz, sondern oft schon Haltung – die Frage ist nur, wie Sie das auch im Seminar sichtbar machen.

Was das in der Praxis bedeutet, hat mich auf einem Hof in Oberösterreich überrascht: Bereits ohne formelle Zertifizierung lassen sich die meisten UZ 62-Anforderungen erfüllen – regionale Catering-Partner, Mehrweggeschirr, ÖPNV-Anbindung, barrierefreie Räume. Für Events unter 100 Personen reicht die Erfüllung der Kriterien ohne Zertifikat aus. Wer das Umweltzeichen tatsächlich als Marketinginstrument nutzen will, geht den Zertifizierungsweg – kostet Zeit und Geld, bringt aber vor allem bei öffentlichen Auftraggebern einen echten Vorteil.

Die typischen Stolpersteine aus meiner Erfahrung:

  • Anreise der Teilnehmenden wird nicht mitgedacht – dabei macht sie 40–60 % des ökologischen Fußabdrucks aus.
  • Catering kommt von weit her – obwohl der Hof oft selbst Erzeuger ist.
  • Druckerzeugnisse werden nicht hinterfragt – jeder Handschlag mit nachhaltigem Konzept wirkt komisch, wenn das Handout auf Hochglanzpapier gedruckt ist.

Wetterfest planen: Die halbe Miete für gelungene Outdoor-Seminare

Wer Outdoor-Seminare plant, muss eine Sache akzeptieren: Sie hängen vom Wetter ab. Wer behauptet, dass ein Seminar im Grünen ohne Schlechtwetter-Alternative funktioniert, hat noch nie eine Gewitterfront über Oberösterreich erlebt. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Vorbereitung wird das Wetter selten zum Show-Stopper.

Mein bewährtes Rezept aus den Hofbesuchen sieht so aus:

1. Frühzeitige Wetterprüfung – ab drei Tage vor dem Termin täglich prüfen, nicht erst am Morgen selbst.

2. Zwei Szenarien vorbereiten – ein vollständiges Outdoor-Programm und eine Indoor-Variante, die an einem verfügbaren Raum hängen. Beide Varianten sollten gleichwertig vorbereitet sein, nicht die Indoor-Variante als Notlösung.

3. Flexible Tagesordnung – Outdoor-Blöcke in den Vormittag oder späten Nachmittag legen, wenn das Wetter stabiler ist. Die Mittagshitze ist ohnehin kein guter Seminar-Slot.

4. Ersatzmaterial griffbereit – Regenponchos, Wechselkleidung, warme Decken für die Lagerfeuer-Runde gehören in jeden Materialkoffer.

5. Kommunikation vorher – Teilnehmende über das Programm im Freien informieren und auf passende Kleidung hinweisen. Wer in Lackschuhen und Blazer anreist, wird den Tag nicht genießen.

Auf den Höfen, die ich besucht habe, sind die meisten Räume so geschnitten, dass ein Stall, eine Scheune oder ein trockener Werkstattraum als Backup dienen kann – ohne dass die Stimmung kippt. Genau diese Flexibilität ist es, die ländliche Locations gegenüber reinen Outdoor-Plätzen auszeichnet.

Fazit: Welches Format passt zu welcher Gruppe?

Nach vielen Hofbesuchen und etlichen ausprobierten Formaten lautet meine ehrliche Empfehlung: Beginnen Sie nicht mit dem Format, sondern mit der Frage, was am Ende des Tages anders sein soll. Geht es um Strategie und ehrliche Gespräche unter vier Augen, ist Walk & Talk kaum zu schlagen. Soll eine Geschichte erzählt und eine gemeinsame Haltung gefunden werden, ist das Lagerfeuer-Gespräch die richtige Bühne. Steht Teambuilding im Vordergrund und das Team darf auch mal zusammen scheitern, sind Floßbau, GPS-Tour und Kräuterwanderung mit Kochkurs das, was bleibt. Geht es um Schulung mit nachhaltigem Anspruch, liefert der Workshop im Hofrundgang den passenden Rahmen.

Was ich Ihnen auf den Weg geben kann: Kein Konzept funktioniert ohne eine Location, die es wirklich lebt. Die schönste Walk & Talk-Route nützt wenig, wenn der Hof selbst nur eine hübsche Kulisse ist. Achten Sie bei der Auswahl darauf, dass die Gastgeber Ihre Gruppe wirklich verstehen und nicht nur ein „Tagungspaket mit Wiese" verkaufen. Genau diese Höfe – und davon gibt es in Oberösterreich zum Glück einige – machen den Unterschied zwischen einem Seminar, das in Erinnerung bleibt, und einem, das einfach nur draußen stattgefunden hat.

Häufige Fragen

Welches Format eignet sich am besten für Strategiegespräche?
Die Methode Walk & Talk ist ideal, da sie Sitzzeiten reduziert und durch das Gehen in kleinen Gruppen oder Paaren ehrliche Gespräche fördert.
Wie lange sollte eine Walk & Talk-Einheit dauern?
Die goldene Mitte liegt bei etwa zwanzig Minuten pro Runde, da unter zehn Minuten kein tiefes Gespräch zustande kommt und über dreißig Minuten anstrengend werden können.
Was muss bei der Planung von Outdoor-Seminaren bezüglich des Wetters beachtet werden?
Man sollte immer eine vollwertige Indoor-Variante vorbereiten, die Wettervorhersage ab drei Tagen vor dem Termin täglich prüfen und für entsprechende Ausrüstung wie Regenponchos oder Decken sorgen.
Ab welcher Gruppengröße sind teambildende Aktivitäten wie Floßbau sinnvoll?
Für Floßbau und GPS-Touren werden mindestens acht Personen benötigt, während Kräuterwanderungen bereits ab sechs Teilnehmenden gut funktionieren.
Muss ein Seminar im Grünen zwingend nach UZ 62 zertifiziert sein?
Nein, für Veranstaltungen unter 100 Personen reicht die Erfüllung der Kriterien ohne formelles Zertifikat aus, sofern man die Standards wie regionales Catering und Mehrweggeschirr einhält.