Bio-Landpartie in Mecklenburg-Vorpommern: Erfolg für Höfe trotz struktureller Engpässe
57 Bio-Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern haben am Samstag an der 19. Bio-Landpartie teilgenommen, mehrere tausend Besucherinnen und Besucher kamen nach Angaben des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND).

Die Veranstaltung lief gut besucht, doch der Verband nutzte sie zugleich, um ein wirtschaftliches Kernproblem zu benennen: Im Land sind nur zwei Prozent der verarbeitenden Betriebe bio-zertifiziert — der geringste Anteil im Vergleich der deutschen Flächenländer.
Veranstaltung mit Breite
Die teilnehmenden Höfe deckten ein breites Spektrum ab — Käsereien, Bäckereien, Mostereien, Mühlen, Fleischereien, Imkereien, Gärtnereien und regionale Vermarkter. Besonderes Interesse fanden nach BUND-Angaben Betriebe mit ökologischer Nutztierhaltung: ein Mobil-Stall für Bio-Hühner auf dem Demeterhof Hufe8 in Selow, ganzjährige Weidehaltung von Wasserbüffeln auf dem Büffelhof Seekoppel bei Rerik sowie das Viehtreiben mit Pferden auf dem Zeitenhof bei Mirow. Auch Höfe mit eigener Verarbeitung zogen Besucher an — darunter die Hofbäckerei Wäschle und Klee in Hohenbrünzow, die Öl-Ostseemühle in Langenhanshagen bei Ribnitz-Damgarten und die Demeter-Mühlenbäckerei Medewege bei Schwerin. Laut BUND fiel die Resonanz bei allen Höfen positiv aus.
Engpass in der Wertschöpfungskette
395 bio-zertifizierte Verarbeiter in einem Flächenland — das sind die zwei Prozent, die Mecklenburg-Vorpommern den letzten Platz in der Vergleichsgruppe einbringen. Konkret benennt der BUND fehlende Bio-Schlachtereien, Zerlegungsbetriebe, Brotgetreide-Mühlen sowie Verarbeitungsbetriebe für Kartoffeln und Gemüse. Auch die Lagerkapazitäten für Bio-Getreide, Raps, Kartoffeln und Gemüse reichen demnach nicht aus. Erzeugerseite und Nachfrage wachsen — die mittlere Stufe der Kette wächst nicht im selben Tempo.
Was bleibt für die Praxis
Für Bio-Höfe, die eigene Produkte veredeln oder über Hofläden, Urlaubsangebote oder Event-Locations vermarkten, entscheidet die Verarbeitungsinfrastruktur über Lieferfähigkeit und Marge. Wo Schlachtung, Mahlung oder Lagerung in Bio-Qualität fehlen, werden Kooperationen, regionale Erzeugergemeinschaften oder Investitionen in eigene Kapazitäten planungsrelevant. Die Mecklenburger Defizite sind kein Einzelfall — sie zeigen exemplarisch, wie eine wachsende Erzeugung an einer zu engen Verarbeitungsbasis strandet. Wer als Bio-Betrieb aufsetzt, sollte die Wertschöpfungskette vor Ort prüfen, nicht nur die Fläche.