Klimapolitik im Burgenland: Neue Strategien für die Landwirtschaft
Die burgenländischen Grünen haben Klima- und Umweltpolitik zum Schichtthema des politischen Herbsts erklärt.

Nach einer Sommertour durch das Landesgebiet kündigten Klubobfrau Margit Paul-Kientzl und Landtagsabgeordneter Philip Juranich für die erste Landtagssitzung nach der Sommerpause Anträge an, die für die Landwirtschaft unmittelbar relevant sind: einen österreichweiten Dürremanagementplan und die Fortschreibung der burgenländischen Klimastrategie.
Wasser, Boden, Schwellenwerte
Im Zentrum des Antragspakets steht ein österreichweiter Dürremanagementplan. Gefordert werden flächendeckendes Monitoring, klare Schwellenwerte für Wasserknappheit und ein Frühwarnsystem bei den Grundwasserpegeln. Für Ackerbau- und Grünlandbetriebe im Osten Österreichs ist das keine Randnotiz: Trockenphasen, versiegte Böden und fallende Pegel entscheiden über Ertrag, Futterbasis und damit über die Liquidität ganzer Betriebsstrukturen. Acht Arbeitsgruppen arbeiten laut Juranich aktuell an der Konkretisierung der Klimastrategie; ab Oktober sind Workshops an Schulen geplant, die Präsentation der Strategie ist für Anfang 2027 vorgesehen.
Wirtschaftliche Realität statt Symbolpolitik
Die Grünen verbinden Klimaschutz explizit mit der Teuerungsdebatte. Paul-Kientzl formulierte bei der Pressekonferenz, die Klimakrise sei kein abstraktes Umweltproblem mehr, sondern wirtschaftliche Realität. Das ist aus Betriebssicht die einzig belastbare Lesart: steigende Energiekosten, volatile Erzeugerpreise und zunehmende Wetterextreme treffen Höfe, Gemeinden und Familien gleichzeitig. Wer hier investiert, sichert Standortfähigkeit – wer abwartet, zahlt drauf.
Zweiter Schwerpunkt ist eine UVP-Pflicht für große Rechenzentren. Begründung der Antragsteller: Es bestehe eine Gesetzeslücke. Zum diskutierten Standort Nickelsdorf im Bezirk Neusiedl am See erklärte Paul-Kientzl, Rechenzentren seien grundsätzlich notwendig, die Eignung des Standorts müsse aber geprüft werden. Für oberösterreichische Bio-Betriebe mit Ferienhausvermietung ist die Frage nur eine andere Spielart derselben Logik: Jede Großinvestition, die Wasser, Boden und Fläche beansprucht, gehört auf ihre ökonomischen und ökologischen Folgen für die regionale Landwirtschaft durchgerechnet.
Was Bio-Betriebe jetzt im Auge behalten sollten
- Grundwasserpegel und Bodenfeuchte in der eigenen Region dokumentieren, bevor Schwellenwerte festgelegt werden – Eigenmonitoring stärkt die Argumentation gegenüber Behörden.
- Wasserspeicherung und humusaufbauende Maßnahmen (Gründecken, reduzierte Bearbeitung) auf Standfestigkeit der Förderkulisse prüfen, da Klimastrategien in der Regel Investitionsanreize nach sich ziehen.
- Flächenkonkurrenz durch Rechenzentren oder Photovoltaik-Großanlagen im eigenen Bezirk beobachten: Standortentscheidungen fallen zunehmend entlang politischer Mehrheiten, nicht nur entlang wirtschaftlicher Kennzahlen.
Am Samstag feiern die burgenländischen Grünen ihr 40-jähriges Bestehen mit einer Veranstaltung in Neutal, Bezirk Oberpullendorf. Eine Pressekonferenz mit Bundessprecherin Leonore Gewessler, Landessprecherin und LH-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner sowie Paul-Kientzl geht der Feier voraus.