Erlebnisbauernhof als Geschäftsmodell: Das Konzept der Bio-Erlebnistour
Über 200 Kinder haben im Juli 2026 an der „Mira & Maxi Bio-Bauernhof Erlebnistour" von Bio Austria OÖ teilgenommen.

Vier Bio-Urlaubshöfe in Oberösterreich – darunter das Prentnergut in Hinterstoder – öffneten Ställe, Weiden und Felder für jeweils vier Mitmach-Stationen. Was als pädagogische Aktion daherkommt, ist gleichzeitig ein erprobtes Geschäftsmodell für Höfe, die Erlebnisangebote in ihre Wertschöpfungskette integrieren wollen.
Vier Höfe, vier Module, ein Takt
Die Tourstruktur ist reproduzierbar: Jeder Hof lieferte dieselben vier Stationen, das inhaltliche Material variierte. Station eins, das „Bio-Erzähltheater", nutzte das Bilderbuch „Mira und Maxi am Bio-Bauernhof" als Einstieg – moderiert von einer Bio-Seminarbäuerin, präsentiert über einen sogenannten „Holzfernseher". Station zwei behandelte Biodiversität praktisch: Samenbälle formen, im Bericht treffend „Pralinen für die Bienen" genannt. Station drei war die klassische Bio-Hofführung mit Bäuerinnen und Bauern direkt am Tier. Station vier, die „Bio-Jause", verband Lebensmittelherstellung mit Verkostung – die Kinder schüttelten selbst Butter und probierten regionale Bio-Produkte.
Am Prentnergut in Hinterstoder verschob sich der Schwerpunkt Richtung Tierkontakt: Mutterkühe mit Kälbern, Heuernten mit Rechen und Scheibtruhe, dazu Meerschweinchen, Katzen und die Schafe Molly und Mary. Das Prinzip bleibt überall gleich – sehen, anfassen, mitmachen, essen – und genau diese Reduktion macht das Format für andere Höfe skalierbar.
Rechenexempel für Hofbetreiber
Über 200 Kinder auf vier Höfe bedeutet rechnerisch rund 50 Teilnehmer pro Standort. Wer ein vergleichbares Format plant, muss Personal und Zeitfenster kalkulieren: Seminarbäuerinnen sind nicht kostenlos, Stall und Hof brauchen während der Slots durchgehende Betreuung. Die Finanzierung der Tour lief laut Bericht über Bund, Länder, EU und das Umweltressort des Landes Oberösterreich, in Kooperation mit Urlaub am Bauernhof OÖ. Das ist kein Randdetail – Bildungstourismus auf Biohöfen bleibt förderfähig, sofern der ökologische Mehrwert sauber dokumentierbar ist.
Für Betriebe mit Ferienwohnungen, Hofcafés oder Eventflächen ist die Botschaft eindeutig. Wer ohnehin Gäste auf den Hof holt, kann mit den vier erprobten Modulen ein saisonales Angebot stricken – vorausgesetzt, die Logistik steht, bevor die ersten Kinder anreisen. Der Aufwand ist planbar, der pädagogische Rahmen liegt vor, die Förderpfade existieren. Was fehlt, ist allein der Entschluss des Betriebs, aus dem eigenen Hof ein Lernort zu machen.