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Auszeit auf Österreichs besten Bio-Höfen.

Meldung

Vom Hörsaal auf die Weide: Wie Bio-Höfe pädagogische Konzepte erfolgreich vermarkten

Nach Angaben des Merkur haben elf angehende Lehrkräfte der Mittelschulen aus den Landkreisen Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen einen Praxistag auf dem Bio-Erlebnishof Hairer in Wall absolviert…

Vom Hörsaal auf die Weide: Wie Bio-Höfe pädagogische Konzepte erfolgreich vermarkten

Nach Angaben des Merkur haben elf angehende Lehrkräfte der Mittelschulen aus den Landkreisen Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen einen Praxistag auf dem Bio-Erlebnishof Hairer in Wall absolviert – inklusive Handmelken, Kälberführung und Weideflächen-Berechnung. Träger ist das Programm „Erlebnis Bauernhof", das Schulklassen die Hofbesuche kostenfrei ermöglicht. Für Bio-Höfe in der Bildungs- und Eventvermarktung liefert das Beispiel eine geprüfte Struktur: qualifizierte Erlebnisbäuerinnen, klar abgegrenzte Lernmodule und ein staatlich gestütztes Finanzierungsmodell.

Aufbau, der Schule und Hof gleichermaßen trägt

Der Hof der Familie Stürzer nimmt seit Programmstart 2012 als qualifizierter Betrieb regelmäßig Schulklassen. Marina Stürzer ist zertifizierte Erlebnisbäuerin, kennt nach eigener Aussage jede Kuh mit Namen und führt das Lernprogramm „Vom Gras zur Milch" eigenständig durch. Die Reihenfolge folgt einem festen pädagogischen Bogen: Kälber und Tierwohl mit Schwerpunkt kuhgebundene Aufzucht zuerst, dann Melktechnik und Euterkunde, anschließend Weidewirtschaft mit Verweis auf Humusaufbau. Marina Stürzer formuliert dazu einen konkreten Wertschöpfungsanspruch: „Unsere Weiden speichern viel Kohlenstoff. Der Humusgehalt ist oftmals sogar höher als im Waldboden." Ergänzt wird das Programm durch einen ortsansässigen Imker zur Verbindung Landwirtschaft und Bestäubung. Koordiniert wird der Tag von Maria Holzer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Holzkirchen.

Warum das Modell ökonomisch trägt

Die Fortbildung für Lehramtsanwärter findet jährlich statt und wechselt zwischen Grund- und Mittelschulpädagogik. Wer einmal selbst Handmelken gemacht hat, betreut später Schulbesuche auf dem Hof mit konkreten Erwartungen – nicht als offene Exkursion. Für die Höfe bedeutet die staatlich organisierte Lehrerqualifizierung kontinuierliche Nachfrage nach Hofbesuchen ohne eigene Akquisekosten. 31 qualifizierte Betriebe in zwei Landkreisen zeigen, dass die kritische Masse für ein flächendeckendes Angebot erreichbar ist – vorausgesetzt, ein Amt bündelt die Anfragen und Schulen buchen kostenfrei. Maria Holzer bringt den Kern auf den Punkt: „Lehrkräfte spielen eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, Kindern Landwirtschaft realistisch und wertschätzend zu vermitteln."

Was Bio-Höfe in der Bildungsvermarktung prüfen sollten

Drei Bausteine machen das Modell übertragbar: eine formale Qualifizierung der Betriebsleitung für Bildungsarbeit, ein festes Curriculum aus wenigen klar abgegrenzten Modulen sowie eine zentrale Anlaufstelle, die Anfragen bündelt. Wer als Bio-Hof Bildungsangebote aufbauen will, sollte zunächst prüfen, ob das eigene Bundesland oder die Landwirtschaftskammer ein vergleichbares Programm führt. Falls nicht, ist eine Anschubfinanzierung über Tourismusverband oder Direktvermarktungsinitiativen der realistischere Weg als ein eigenständiges Konzept. Der Hairer-Hof belegt: Authentizität schlägt Inszenierung – aber nur, wenn eine Struktur dahintersteht.