Zukunft auf dem Bio-Hof: Wie eine junge Landwirtin den Familienbetrieb neu ausrichtet
Nach Angaben von merkur.de hat die 29-jährige Öko-Landwirtin Katharina Demmel die Zukunftsplanung des Familienbetriebs mit einer detaillierten Untersuchung der Futterernte verbunden.

Der Hof in Rottenbuch wird seit 1994 ökologisch bewirtschaftet, hält rund 60 Milchkühe und liefert seine Milch an die Bio-Molkerei in Andechs. Der Fall zeigt, wo Zukunftsfähigkeit auf Bio-Höfen tatsächlich entschieden wird: bei Arbeitszeit, Vollkosten, Futterqualität und der Frage, welche Arbeiten der Betrieb selbst erledigt.
Eine Hofnachfolge braucht belastbare Entscheidungsgrundlagen
Demmel führt den Betrieb derzeit gemeinsam mit ihren Eltern. Die Entscheidung, den Hof später zu übernehmen, entstand erst vor drei Jahren. Zuvor arbeitete sie als Biotechnikerin bei Roche und absolvierte anschließend mehrere landwirtschaftliche Ausbildungswege. An der Öko-Fachschule in Weilheim erwarb sie den Landwirtschaftsmeister mit der Note 1,25.
Ihre Abschlussarbeit war keine allgemeine Zukunftsskizze. Sie untersuchte konkret die Futterbergung auf dem Familienbetrieb. Dafür teilte sie eine Fläche in drei Parzellen und verglich unterschiedliche Ernteverfahren. Im Zentrum stand der Vergleich zwischen Eigenmechanisierung und der Zusammenarbeit mit einem externen Lohnunternehmen.
Bewertet wurden nicht nur die Kosten. Demmel erfasste die Arbeitszeit minutengenau, kalkulierte die Vollkosten und prüfte die Auswirkungen auf die Futterqualität. Hinzu kamen Laboranalysen, Tierbeobachtungen im Stall sowie Untersuchungen mit Pansen-Simulation und Kotauswaschung. Für diese methodische Tiefe erhielt sie den Hans-Hohenester-Preis.
Die Konsequenz ist eindeutig: Die Familie will künftig bei der Ernte mit einem Lohnunternehmen arbeiten. Ausschlaggebend ist die Möglichkeit, hochwertiges Grundfutter innerhalb eines kurzen Erntefensters einzubringen. Nach den Angaben im Bericht werden diese Zeitfenster durch den Klimawandel kürzer. Eine längere Feldliegezeit kann zudem den Verlust wertvoller Futterinhaltsstoffe begünstigen.
Eigenmechanisierung ist nicht automatisch wirtschaftlicher
Für viele Betriebe wirkt eigene Technik zunächst wie die unabhängigere Lösung. Wirtschaftlich ist sie nur dann belastbar, wenn Anschaffung, Wartung, Arbeitszeit, Auslastung und Folgekosten gemeinsam betrachtet werden. Genau hier setzt Demmels Untersuchung an.
Der Vergleich mit einem Lohnunternehmen verschiebt die Rechnung. Der Betrieb bezahlt eine klar definierte Dienstleistung, benötigt dafür aber weniger eigene Maschinen- und Arbeitskapazität. Entscheidend bleibt, ob der externe Anbieter zum verfügbaren Erntefenster bereitsteht und ob die Arbeitsqualität den Anforderungen des Betriebs entspricht. Diese Punkte sind im vorliegenden Fall Teil der betrieblichen Entscheidung, aber nicht als allgemeingültiges Modell für alle Höfe zu verstehen.
Für Bio-Betriebe ist die Futterbergung zudem Teil der gesamten Wertschöpfungskette. Die Milchleistung, die Tiergesundheit und die Qualität der Grundfutterration hängen nicht an einer einzelnen Maschine. Sie hängen an einem Prozess, der von der Bodenbeschaffenheit über den Erntezeitpunkt bis zur Futterlagerung reicht. Demmels Arbeit bewertet diesen Prozess mit betriebswirtschaftlichen und qualitativen Kriterien statt mit der Annahme, dass traditionelle Abläufe automatisch effizient sind.
Was Hofbetriebe und Gäste daraus ableiten können
Die Nachricht ist auch für die Einordnung von Bio-Höfen als Ferien- oder Veranstaltungsort relevant. Ein glaubwürdiger Hofbetrieb besteht nicht nur aus Direktvermarktung und sichtbarer Tierhaltung. Entscheidend sind die Prozesse dahinter: Wie wird Futter erzeugt? Welche Arbeitsschritte bleiben am Hof? Wo werden spezialisierte Dienstleister eingesetzt? Und wie werden Qualität und Arbeitsaufwand dokumentiert?
Für Betriebsleiter ergibt sich daraus ein pragmatischer Prüfpunkt: Investitionsentscheidungen sollten mit einer Vollkostenrechnung, einer realistischen Arbeitszeiterfassung und messbaren Qualitätskriterien hinterlegt werden. Für Hofgäste bieten solche Fragen einen besseren Einblick in die moderne Bio-Landwirtschaft als pauschale Versprechen über Nachhaltigkeit.
Ein zweiter Bildungsaspekt kommt aus dem Burgenland. Dort hat das Land mit „AgriNEXT“ einen rund einjährigen Entwicklungsprozess für die landwirtschaftlichen Fachschulen in Güssing und Eisenstadt gestartet. Beteiligt werden Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, Absolventinnen und Absolventen, Betriebe sowie Fachleute der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik Wien. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Klimawandel, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und innovative Produktionsformen.
Beide Entwicklungen weisen in dieselbe Richtung: Landwirtschaftliche Zukunftsplanung wird konkreter. Sie braucht Fachausbildung, Daten aus dem Betrieb und Entscheidungen, die sich an Arbeitswirtschaft und Produktqualität messen lassen. Für Familienbetriebe ist das keine Imagefrage. Es ist eine Frage der betrieblichen Tragfähigkeit.