Regenerative Landwirtschaft: Was das neue SAI-Programm für Betriebe bedeutet
Mit dem "Regenerating Together Programme" (RTP) hat die SAI Platform nach eigenen Angaben einen industrieweiten Rahmen für regenerative Landwirtschaft vorgelegt.

Über 40 internationale Lebensmittel- und Agrarkonzerne — darunter Nestlé, Louis Dreyfus, McCain Foods, Carlsberg und Diageo — tragen die Initiative. Ziel ist ein einheitliches Verfahren, um regenerative Praktiken nicht länger nur zu definieren, sondern in globalen Lieferketten messbar und prüfbar zu machen.
Vier Stufen, drei Produktionssysteme
Im Kern steht laut SAI Platform ein überarbeitetes Vier-Stufen-Verfahren mit Leitlinien für Ackerbau, Rindfleisch- und Milchproduktion. Das System soll nach Angaben der Plattform für großflächige Betriebe ebenso funktionieren wie für kleine Strukturen und in allen Regionen anwendbar sein. Entwickelt wurde der Entwurf gemeinsam mit Landwirten, Agronomen, NGOs, Wissenschaft und Industrie. Damit reagiert die Plattform auf ein bekanntes Problem: Bisher kochten Unternehmen und Erzeuger jeweils eigene Definitionen und Messmethoden, was Vergleiche und Audits aufwendig bis unmöglich machte. Generaldirektor Dionys Forster sprach laut Mitteilung von einem Meilenstein für den Sektor, der den Weg von der Definition in die konkrete Umsetzung ebnen soll.
Was sich für Bio-Höfe in Oberösterreich verschiebt
Für heimische Betriebe zählt weniger der Name des Programms als die Frage, ob bestehende Bio-Zertifizierungen mit den neuen RTP-Vorgaben kompatibel bleiben. Große Abnehmer steuern ihre Wertschöpfungsketten zunehmend über Zusatzstandards. Wer als Direktvermarkter oder Hofurlaubs-Anbieter in solche Ketten liefern will, sollte früh prüfen, ob die eigene Dokumentation zu Bodenbearbeitung, Fruchtfolge und Weidewirtschaft die künftigen Kriterien abdeckt. Auch Ferienhaus- und Event-Betriebe sind indirekt betroffen: Wer Bio und Regionalität glaubhaft kommuniziert, muss Bewirtschaftungsnachweise sauber führen — nicht zuletzt, weil regenerative Praktiken zunehmend auch in die Erwartungen von Urlaubsgästen hineinspielen.
Worauf zu achten ist
Nach Angaben der Plattform soll das RTP ein pragmatisches Fundament für resilientere Lieferketten liefern — die Begriffswahl ist werblich, das Anliegen nicht. Treiber sind Klimarisiken, Wasserknappheit, Bodendegradation und Biodiversitätsverlust, alles Faktoren, die auch in der oberösterreichischen Beratungspraxis längst Standardthemen sind. Offen bleibt, welche Auditlogik greift, wer kontrolliert und wer die Kosten trägt. Solange RTP nur als freiwilliger Industriestandard existiert, ersetzt er weder EU-Bio-Recht noch eine Hoftor-zu-Hoftor-Zertifizierung. Für Direktvermarkter heißt das: Nicht jedes internationale Programm verlangt sofortige Anpassungen — die Richtung aber ist eindeutig.