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Auszeit auf Österreichs besten Bio-Höfen.

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Regenerative Landwirtschaft: Wie Kirkview Farms durch geschlossene Kreisläufe resilient wird

Ein Omega-6-zu-Omega-3-Verhältnis von 1,3 zu 1 – das ergab eine ISO-akkreditierte Laboranalyse von zertifiziert regenerativ produzierten Rindfleisch-Würstchen des US-Herstellers Applegate Farms.

Regenerative Landwirtschaft: Wie Kirkview Farms durch geschlossene Kreisläufe resilient wird

Vergleichsmuster konventioneller und grasgefütterter Ribeye-Schnitte fielen deutlich schlechter ab. Parallel dazu zeigt ein kanadischer Betrieb in Ontario, wie regenerative Bewirtschaftung in der Praxis funktioniert: Mehr Tierarten, eigener Düngekreislauf, minimaler Einsatz externer Betriebsmittel. Für Bio-Betriebe in Oberösterreich sind beide Signale lesbar. Die Wertschöpfungskette verlagert sich Richtung Nährstoffqualität, und die Betriebskosten sinken dort, wo Kreisläufe geschlossen werden.

Bodenfruchtbarkeit statt Futterimport

Kirkview Farms im kanadischen Kirkhill bewirtschaftet Land, das seit acht Generationen in Familienhand ist. Seit rund neun Jahren setzt Betriebsleiter Michael MacGillivray auf regenerative biologische Landwirtschaft. Der Hof hält Rinder, Schafe, Schweine und Geflügel. Die Artenvielfalt im Bestand ist dabei betriebswirtschaftlich kalkuliert: Rinder und Schafe selektieren unterschiedliche Pflanzen im Grünland, Hühner folgen im System, liefern Stickstoff und reduzieren Insekten- und Schädlingsdruck.

MacGillivray beschreibt den Ansatz als geschlossenen Kreislauf. Die Tiere ernten das Futter selbst und bringen den Dung direkt auf die Fläche. Der Bedarf an Maschinen und Handelsdünger sinkt. Der Betrieb minimiert bewusst Abhängigkeiten von externen Inputs, einschließlich fossiler Brennstoffe und Fertilisierer-Transporten aus Westkanada. Ziel ist Resilienz: Bei Handelskonflikten oder Zollverschiebungen – MacGillivray nennt amerikanische Zölle als konkretes Beispiel – schützt die Eigenständigkeit die Betriebswirtschaft.

Die Weiden enthalten eine breite Pflanzenarten-Vielfalt. MacGillivray bewertet das als zentralen Baustein für Widerstandsfähigkeit: Unter nassen Bedingungen gedeihen andere Arten als unter Trockenstress. Pflanzen, die traditionell als Unkraut gelten, werden differenziert betrachtet. Die Löwenzahn-Tiefwurzel lockert verdichtete Böden und bringt Mineralien in obere Schichten – MacGillivray beobachtet, dass Rinder sie gerne fressen. Disteln deutet er als Indikator: Ihr Auftreten signalisiert ein Bodenproblem, das es zu verstehen gilt.

Nährstoffqualität als Kaufargument

Applegate Farms verfolgt einen anderen Hebel. Das Unternehmen forschte gezielt nach einem Argument, das Verbraucher stärker überzeugt als das Versprechen ökologischer Nachhaltigkeit: Nährwert. 2021 hatte Applegate den „Do Good Dog" lanciert – ein Hotdog aus zertifiziert regenerativem Rindfleisch von US-Grasland, mit Claims wie „Rindfleisch aus Bewirtschaftung, die das Land regeneriert".

Verbraucherstudien nach einem Jahr zeigten ein klares Bild: Preis und Gesundheit rangierten vor Nachhaltigkeit auf der Prioritätenliste. Die regenerative Botschaft allein reichte nicht als Kaufargument, so Carolyn Gahn, Senior Director Mission and Advocacy bei Applegate. Das Produkt wurde vom Markt genommen, das Programm aber nicht gestoppt. Stattdessen skalierte das Unternehmen die Beschaffung regenerativer Rinderzutaten und testete die Nährwerthypothese: Was gut für den Boden ist, könnte auch für die Gesundheit relevant sein.

Das akkreditierte Prüflabor Edacious analysierte die Hotdogs und kam auf jenes 1,3-zu-1-Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3. Konventionelle und grasgefütterte Vergleichsproben lagen schlechter. Einschränkung: Es handelt sich um eine begrenzte Stichprobe. Repräsentative Erkenntnisse erfordern breitere Untersuchungen.

Was das für oberösterreichische Bio-Betriebe bedeutet

Die beiden Fälle markieren eine Verschiebung, die für Bio-Höfe in Oberösterreich direkt relevant ist. Erstens: Regenerative Bewirtschaftung schließt Kreisläufe und senkt die Anfälligkeit für Lieferketten-Störungen und Kostensteigerungen bei externen Betriebsmitteln – ein handfester betriebswirtschaftlicher Vorteil. Zweitens: Die Diskussion um Nährstoffqualität als Vermarktungsargument gewinnt international Fahrt. Wer die Zusammensetzung seiner Produkte belegen kann, gewinnt in einer Landschaft, in der das Bio-Siegel allein nicht mehr differenziert.

Für Betriebe, die Ferienwohnungen oder eine Event-Location betreiben, ergänzt sich beides. Gäste fragen zunehmend nach Transparenz über Herkunft und Qualität des Essens. Ein Hof, der seine regenerative Bewirtschaftung erklärt und belegt, schafft ein zusätzliches Verkaufsargument jenseits von Landschaftsbildern.

Die Frage für Praktiker lautet: Welche Pflanzenarten stehen auf der Weide, welche Tiere integriert der Betrieb in die Fruchtfolge, und wie dokumentiert er den Nährwert? Die Antworten darauf entscheiden über Betriebskosten, Widerstandsfähigkeit und Marktzugang.