Grünlandwirtschaft in der Krise: Warum die GAP-Reform 2028 viele Betriebe gefährdet
Die geplante Neuausrichtung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028 bringt die Grünlandwirtschaft in benachteiligten Gebieten unter Druck.

Wie agrarheute.com unter Berufung auf den Deutschen Grünlandverband berichtet, befürchten Betriebe, dass Mittelkürzungen die Viehhaltung auf multifunktionalen Wiesen und Weiden unwirtschaftlich machen und viele Höfe vor dem Aus stehen. Was in den deutschen Mittelgebirgen beginnt, schlägt mittelfristig auch auf Oberösterreich durch – und damit auf jene Standbeine, auf denen unser Bio-Hof-Atlas aufbaut.
Was steht auf dem Spiel
Die Verbändeplattform mit rund 30 Mitgliedsverbänden sieht akuten Handlungsbedarf. Verbandsvertreter Dr. Hans Hochberg warnt vor „schweren Verlusten für die Biodiversität und das Landschaftsbild unserer Heimat", sollten Grünlandflächen brachfallen oder reine Grünlandbetriebe ganz aufgegeben werden. Das zur GAP 2028 vorgelegte Positionspapier formuliert nach eigenem Bekunden keine Forderungen, sondern eine Liste von „Möglichkeiten" – so der Verband, „wohlwissend um die prekäre finanzielle Situation ab 2028".
Konkret geht es um die Ausgleichszulage für benachteiligte Gebiete, um Agrarumwelt- und Klimaschutzmaßnahmen (AUKA) sowie um die Honorierung der Raufutterfresser, die nur auf Grünlandbasis funktionieren. Fällt diese Säule, kippt nicht nur die Futterfläche, sondern die gesamte Wertschöpfung am Berg.
Was das für Bio-Höfe in Oberösterreich bedeutet
Die österreichische Debatte verläuft parallel, nur leiser. Auch hierzulande hängt die Bewirtschaftung von Steilflächen, Bergwiesen und Almen an der Raufutterveredelung über Rinder, Schafe und Ziegen. Sinken Ausgleichszulagen oder AUKA-Förderung, geraten Höfe unter Druck, die heute auf Direktvermarktung, Urlaub am Bauernhof und Eventflächen setzen – alles Einkommensstandbeine, die ohne intakte Grünlandbasis leerlaufen.
Für einen Bio-Hof mit Ferienhausvermietung oder Hochzeitslocation ist das Grünland nicht nur Futterfläche, sondern Kulisse und Verkaufsargument. Wanderer, Familien und Eventgäste buchen gezielt dort, wo Weide und Wiese gepflegt sind. Ein Brachfallen dieser Flächen frisst also doppelt: in der landwirtschaftlichen Bilanz und im touristischen Angebot.
Worauf Betriebe jetzt achten sollten
Die Verbändeplattform ruft dazu auf, Bundesminister Alois Rainer bei den Verhandlungen um ein starkes GAP-Budget zu unterstützen, damit der besondere Unterstützungsbedarf der Grünlandbewirtschaftung mit Raufutterfressern in den Bundesländern gewahrt bleibt. Für oberösterreichische Bio-Betriebe heißt das im Alltag: laufende AUKA-Programme und Ausgleichszulagen im Auge behalten, die Verbandspositionen der Landwirtschaftskammer verfolgen und betriebswirtschaftlich ehrlich kalkulieren, welche Standbeine ohne GAP-Stütze noch tragen – und wo Urlaub am Bauernhof, Hofladen oder Eventflächen tatsächlich ausgleichen können.